Eine Ära geht zu Ende. Seit 2008 kann die alte Schlucht nicht mehr befahren werden.
Wer die Eggentaler Straße früher Tal einwärts fuhr, den beeindruckte
die Enge des Tales. Die Straße verlief am schmalen Talgrund, dem
natürlichen Bachlauf entlang. Telweise wurde sie in den Felsen gehauen,
wo kein Platz für Strasse und Bach war wurde ein Tunnel geschlagen; und
gerade diese Enge verlieh dem ganzen Tal seine besondere Atmosphäre.
Heute wird die Eggentaler Straße von der Südtiroler Landesverwaltung in
Stand gehalten und ist in einem ausgezeichneten Zustand.
Im Frühjahr 2000 wurde mit dem Bau der neuen Verbindungsstraße ins
Eggental begonnen, wobei ein Tunnel einen Teil der alten Straße
ersetzen hat.
Die Zufahrt erfolgt seit der Eröffnung des neuen Tunnels nicht mehr
über Kardaun, sondern einige Kilometer weiter in Richtung Brenner. Kurz
vor der Autobahnausfahrt Bozen Nord kommt man über einen Kreisverkehr
zum Tunnel
Der zweite Tunnel wurde 2007 fertig gestellt. Nun die schlechte Nachricht:
Durch diesen zweiten Tunnel wurde der wildromantische Teil der Schlucht
leider umfahren. Zu gefährlich und instabil waren die hohen Felswände.
Dies bezeugen auch die Netze, die oberhalb der Strasse angebracht wurden.
Herunterfallende Steine wurden durch ihre Hilfe aufgefangen.
Zur Erinnerung an die alte Eggentaler Schlucht habe ich 2007 die Schlucht gefilmt und auch einige Fotos gemacht:
Weniger Glück hatte vor vielen Jahren ein BMW-Fahrer, dem ein großer
Stein den Zylinder seiner Boxermaschine abgeschlagen hatte. Der Fahrer
blieb zum Glück unverletzt. Auch der Autofahrer, dem ein ca. ein
Kubikmeter großer Felsbrocken genau vor die Stoßstange fiel, hatte
keine Chance mehr auszuweichen und fuhr sein Auto zu Schrott. Viele
kleine Unfälle mit herabstürzenden Steinen und Straßensperrungen
besonders im Winter und nach starken Regenfällen haben die
Gemeindevertreter dazu bewogen die Tunnels zu bauen. Der Geologe Dr.
Alfred Psenner aus Steinegg sprach, nach einer Inspektion der
Schlucht:“ Ein Wunder dass bisher hoch nichts schlimmes passiert ist“.
Nachdem vor einigen Jahren die Sottogoudaschlucht für den Verkehr
gesperrt wurde, trifft es nun leider auch die Eggentaler Schlucht. Der
Kaiserjägersteig wurde sinnlos teilweise fast so breit ausgebaut wie
eine Schnellstrasse, das gleiche gilt für den Mendelpass. Schade, aber
so sind wir Menschen eben. Alles muss perfekt sein, DIN genormt, da
bleibt kein Platz für das Alte.
Zur Geschichte:
Wildromantisch zeigt sich die Schlucht, die von Bozen in das
Dolomitengebiet führt. Mitte des letzten Jahrhunderts, nachdem die
Eisenbahnstrecke Verona - Bozen eröffnet war, wurde Ing. Schweigkofler
mit dem Bau einer Straße in das Eggental beauftragt. Bis dahin konnte
man nur über Kardaun, Karneid und Gummer nach Welschnofen fahren.
1860 wurde die Strasse durch die Eggentaler Schlucht in nur 8 Monaten gebaut.
Für die Bevölkerung in Welschnofen war es ein Grund zu feiern, denn für
die Dorfgemeinschaften Welschnofen und Eggen brach eine neue Zeit an.
Längs der neuen Straße wurden Gasthöfe und Beherbergungsbetriebe
eröffnet, Holzhandel und Tourismus erlebte in diesen Jahren seinen
Aufschwung.
Die Eggentaler Straße ist heute noch die kürzeste Zufahrt zu den westlichen Dolomiten und gehört zur „große Dolomitenstraße“.
Das zumeist rötliche, sehr feste und nur schwer verwitternde
Porhyrgestein ist das Fundament, auf dem sich im Laufe der Millionen
Jahre die Dolomiten aufgebauten haben. Charakteristisch für den
Eggentaler Porphyr ist die graubraune bis rotbraune Gesteinsfarbe.
Erfassung der Daten:
Kurt Resch
Motorradhotel Hotel Steineggerhof Südtirol Dolomiten
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